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Mer sin widder do: die Fidele Fortuna aus der Kölner Südstadt

2021

Karnevalssession 2021/22
Mer sin widder do: die Fidele Fortuna aus der Kölner Südstadt wird wachgeküsst

Gründungsmitglieder v.l.n.r. Hanns-Jörg Westendorf, Marcel Hergarten, Domenico Carrieri

Köln. Wie vieles im Leben, begann auch die Wiederbelebung der Karnevalsgesellschaft Fidele Fortuna vun 1949, zunächst einmal mit einer für Corona-Zeiten eher ungewöhnlichen „Schnapsidee“. 
Hanns-Jörg Westendorf, Marcel Hergarten und Domenico Carrieri kamen im kleinen Kreis zusammen und diskutierten, was zu tun wäre, um für die Fortuna aus Köln eine Karnevalssitzung aus der Taufe zu heben und diese dauerhaft zu etablieren. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch keiner der Teilnehmer was am Ende des Abends dabei rauskommen würde. Krise hin, Krise her: man wollte Sport und Karneval in der Südstadt wieder enger zueinander bringen und etwas für das Veedel tun. Am Ende stand dann ein weitreichenderer Gedanke im Raum: das alles lässt sich letzten Endes viel besser realisieren, wenn man eine neue, zeitgemäße Karnevalsgesellschaft gründet, die das Brauchtum pflegt und sich auch außerhalb des Karnevals um die Belange der Menschen in der Südstadt kümmert. So wurde aus dem lockeren Sondierungsgespräch kurzerhand die Gründungssitzung der neuen Fidelen Fortuna. 


Zurück in die Zukunft
Aber da war doch schon mal was? Richtig: der karnevalsbegeisterte Teil von Fortuna Köln, wurde bereits 1949 von einigen Jecken aus der Taufe gehoben. Bekannten Aufzeichnungen zufolge stammten diese jedoch nicht aus der Fußballabteilung, sondern waren seinerzeit wohl bei den Handballern zuhause. Offiziell wurde die Fidele Fortuna aber nie eingetragen. Trotzdem agierte die Gesellschaft, in enger Anlehnung an den Südstadtclub, lange Jahre als Veedelsverein, bei dem man den Karneval feierte und lebte. Sitzungen im damals legendären Brunosaal und die jährliche Teilnahme an den Schull- un Veedelszöch waren gang und gäbe. Schäng Löring war einer der letzten aktiven Karnevalisten der Fidelen Fortuna, bevor diese leider mangels Mitgliederschwund Ende der 90er Jahre wieder in den Dornröschenschlaf verfiel. 
Die Intention ist heute wie damals in jedem Fall dieselbe: aus der engen Verbundenheit zum Sportverein SC Fortuna Köln, der Kölner Südstadt und Zollstock haben sich einige heimatverbundene Freunde auf die Fahne geschrieben, gemeinsam den Karneval in der Südstadt durch eine neue, bzw. alte Facette zu beleben und natürlich auch wieder zu bereichern.
Aber wir sind doch in der Corona-Krise...
Ausgerechnet in der Corona-Krise werden jetzt viele sagen. Wie kommt man auf die Idee, in diesen Zeiten einen neuen Verein zu gründen?  Zeiten, in denen Karnevalsvereine Überlebensstrategien entwickeln müssen, um die veranstaltungsfreie Zeit zu überbrücken, wo allerorten über Nachwuchssorgen geklagt wird und zum jetzigen Zeitpunkt auch noch keiner genau weiß, wie es mit dem Straßen- und Sitzungskarneval in der nächsten Session weitergehen wird.
Die Antwort ist ganz einfach. „Weil wir es wollen und überzeugt sind, dass wir ein Konzept haben, mit dem wir Brauchtum pflegen und gleichzeitig auch jüngere Menschen wieder für den organisierten Karneval begeistern können – gerade auch in schwierigen Zeiten.“ erläutert Hanns-Jörg Westendorf den Antrieb der Gründerväter. „Die Welt befindet sich seit Aschermittwoch 2020 in einem Umfeld ständiger Veränderungen und die Menschen sind von einer lange nicht da gewesenen Sehnsucht nach Normalität getrieben. Vereine und Gesellschaften werden sich aufgrund der Anforderungen, der Mitgliederinteressen und der veränderten Veranstaltungsformate zu einem ausgewogenen Kosten/Leistungsaspekt neue Gedanken machen müssen. Diese neuen Wege werden wir gehen und ohne großen Ballast schlanke und zeitgemäße Strukturen schaffen“, schiebt der Beiratsvorsitzende der Gesellschaft nach. 
Mehr als ein Verein
„Die Idee ist es, die Fidele Fortuna als treibende Kraft für unterschiedlichste Aktivitäten im Veedel zu etablieren. Grundsätzlich wollen wir, was den Karneval betrifft, zurück zu den Wurzeln: bezahlbarer Karneval im Veedel, Wiederbelebung alter Sitten, Nähe, Zusammenhalt und gleichzeitig repräsentative gesellschaftliche Veranstaltungen in unterschiedlichen Formaten. Es muss wieder möglich werden, allen Bewohnern der Südstadt sowie den Freunden und den Fans der Fortuna, die das Brauchtum mögen, Zugang zum Karneval zu verschaffen. Die regelmäßige Teilnahme am Zollstocker Dienstagszug und/oder den Schull- un Veedelszöch für die Mitglieder der Gesellschaft ist fest eingeplant.“ ergänzt Marcel Hergarten, seines Zeichens neuer Präsident der Gesellschaft, die Vision des Vereins.
Darüber hinaus ist aber auch ein kontinuierliches und nachhaltiges, soziales Engagement in der Südstadt geplant – über das ganze Jahr hinweg, in enger Abstimmung mit einem zentralen Träger. Denn auch das ist Karneval: an die Menschen zu denken, denen es eben nicht so gut geht. Im Rahmen der Corona-Krise ist das wichtiger denn je. 
Tradition im zeitgemäßen Gewandt
Neben der heimatlichen Verwurzelung wird großer Wert auf Vielfalt gelegt. So sollen unterschiedlichste Formate unter Regie der Fidelen Fortuna durchführt werden. Über das Jahr hinweg sind zahlreiche interne und externe Veranstaltungen geplant, die gleichermaßen Männer, Frauen und Familien ansprechen sollen. Denkbar sind Straßenfeste, eine Pfarr- und Familiensitzung, ein Sitzungsball zu zivilen Preisen, bis hin zu einer Karnevalssitzung in einem renommierten Kölner Saal. Darüber hinaus soll ein monatlicher Stammtisch für die Mitglieder etabliert werden. 
Dabei möchte die Gesellschaft den sozialen Aspekt des Karnevals NIEMALS außer Acht lassen. Den Verantwortlichen ist die Umsetzung der Veranstaltungen zu bezahlbaren Preisen ein besonders wichtiges Anliegen. Ziel muss es immer sein, Tradition und zeitgemäße Anforderungen miteinander zu verbinden.
Ein starkes Team aus Karnevalsjecken unterschiedlichster Couleur
Was es für die Umsetzung eines solch ambitionierten Projektes braucht, ist eine gute Mischung aus erfahrenen Ehrenamtlern, welche sich der Kölschen Brauchtumspflege verschrieben haben. Bei der 
Fidelen Fortuna sind Karnevalisten verschiedenster Gesellschaften am Start, die sich als Freundeskreis zusammengefunden haben und grenzüberschreitend alte Traditionen wieder beleben möchten. 
Mit dabei sind u. a. diverse Mitglieder der KKG Fidele Zunftbrüder von 1919 e. V., KG de kölschen Madämcher e. V., KG Kölsche Grielächer vun 1927 e. V., der KG Sr. Tollität Luftflotte e. V., der Große Kölner Karnevalsgesellschaft von 1882 e. V., der KG Lyskircher Junge e. V., des Zollstocker Dienstagszug e. V., der Löstije Brücker Müüs e. V., der Colombina Colonia e. V. – das Ganze nach dem Motto: In den Farben und den Geschlechtern auf der einen Seite getrennt - zum Zwecke der Wiederbelebung aber geeint.
Für das operative Geschäft der Gesellschaft sind verantwortlich:
-    Marcel Hergarten (Präsident) 
-    Eckhard Heiß (Vizepräsident)
-    Domenico Carrieri (Literat)
-    Klaus Hoffmann (Schatzmeister)
-    Markus Kuhles (Geschäftsführer)
-    Hanns-Jörg Westendorf (Vorsitzender des Beirates) 

Text und Foto: Oliver Haas • Presse

Mer sin widder do: die Fidele Fortuna aus der Kölner Südstadt

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